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Kochen für Deutschland

Elmar Ott

Unsere eingewanderten Mitbürger haben sich immer weiter in den deutschen Markt vorgewagt. War die deutsche Einwanderungspolitik dabei Hemmschuh oder Hilfe? Eine kurze Geschichte „ausländischer“ Unternehmensgründungen.

Das chinesische Restaurant schräg links, der „Dönermann“ auf der rechten Seite und gegenüber das „Ristorante Napoli“ – so oder so ähnlich sind viele Plätze und Kreuzungen in deutschen Städten bestückt. Ohne Zweifel haben sich unsere MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund in die bundesdeutschen Mägen und vielleicht auch Herzen gekocht. Dieser „kulinarische“ Zweig der Ökonomie hat somit sicherlich seinen integrativen Beitrag geleistet. Trotzdem drängen sich zwei Fragen, diesen Sachverhalt betreffend, doch in den Vordergrund: Ist die Eröffnung einer gastronomischen Einrichtung (durch einen Migranten, eine Migrantin) nicht oft nur die letzte Alternative vor der drohenden oder schon herrschenden Arbeitslosigkeit und wie sieht es mit dem Migrantenanteil in anderen Wirtschaftszweigen aus. Dieser Artikel kann diese Fragen natürlich nicht umfassend beantworten, aber ein straffer Überblick sollte doch möglich sein.

Die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts stellten eine Gründerzeit für ausländische Unternehmer in Deutschland dar

und das nicht nur in der Gastronomie oder dem Einzelhandel. Zur Jahrtausendwende gab es 279.000 ausländische Selbstständige. Anfang der 90er waren es erst 144.000. 1975 versuchten ganze 100 türkische Selbständige ihr Glück (Zahlen vom Zentrum für Türkeistudien). Ein wichtiger Faktor für die relativ langsam anlaufende „Verselbständigung“ unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund begründet sich durch die deutsche Einwanderungspolitik. Es wurden ausschließlich Arbeiter angefordert, um den ständig wachsenden Bedarf an Arbeitskräften in den Fabriken, Werften und Bergwerken zu decken, hinzu kamen einige politische Flüchtlinge. Somit bestand die erste Migrantengeneration hauptsächlich aus Arbeitern, die außerdem, so der damalige Plan der deutschen Regierung, irgendwann wieder in ihre „Heimat“ zurückkehren würden. Dies sahen wohl auch die meisten Einwanderer so, was alles in allem kein besonders guter Nährboden für eine sesshafte Selbständigkeit ist, zumal die türkischen Einwanderer durch ihren rechtlichen Status oft über keine Möglichkeit der Unternehmensgründung verfügten (Nicht-EU-BürgerInnen). Diese Arbeit fiel und fällt eher den späteren Generationen zu, allerdings gab es auch unter den ersten Einwanderern schon Mutige, die sich in einem ihnen noch ziemlich fremden Land in die Selbständigkeit wagten.

Die ersten Geschäfte, die von MigrantInnen betrieben wurden, richteten sich klar an ihre eigene Bevölkerungsgruppe. Es entstanden spezielle Lebensmittelläden, Restaurants und Übersetzer, auf das Heimatland ausgerichtete Reisebüros oder Import-Export Geschäfte, alles was dem deutschen Markt eben fehlte. Später (80er und 90er Jahre) kamen dann Unternehmen hinzu, die sich auf eine dauerhaft in Deutschland sesshafte, älter werdende Kundschaft einzustellen wussten und beispielsweise Hochzeitsveranstaltungen oder Beerdigungen organisierten. Buchhändler, Druckereien, Verlage und Diskotheken sind weitere Beispiele dieser Zeit. Außerdem stellten und stellen sich die UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund zunehmend auf die deutsche Kundschaft ein, was besonders Handwerkern, Änderungsschneidereien und Restaurants zugute kam. Auch selbständige Berufe, die einen höheren Bildungsgrad erfordern, wie Rechtsanwälte, Architekten, Ärzte und Banker wurden immer häufiger auch von MigrantInnen besetzt. Einige Migrantengruppen, wie die politischen Flüchtlinge aus dem Iran, sind in diesen höherwertigen Jobs überproportional vertreten (aus dem Iran kam zumeist die Oberschicht nach Deutschland).

Insgesamt kann diese Entwicklung als eine langsam fortschreitende Erfolgsgeschichte betrachtet
werden, die aber doch einigen Hemmnissen ausgesetzt ist
.

So stellen die komplizierte deutsche Behördensprache, die restriktiven Regeln und Gesetze (Baubestimmungen, Meisterbriefe etc.), sowie die komplexe steuerliche Abrechnung große Probleme für die einfachen eingewanderten UnternehmerInnen dar. Aus diesem Grund waren zu dieser Zeit im Handwerk die meisten MigrantInnen in der Gebäudereinigung oder Schneidereien tätig. Nach und nach kamen andere Bereiche im Bau- und Ausbaugewerbe, sowie Bekleidung, Leder, Elektronik und Metall hinzu.

Dieser kurze geschichtliche Abriss zeigt deutlich, dass sich unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund immer stärker in das deutsche Wirtschaftssystem hervorgewagt haben. Davon profitiert nicht zuletzt auch die deutsche Mehrheitsbevölkerung, da sie auf der einen Seite ein erweitertes Angebot an Dienstleistungen und Produkten nutzen kann und auf der anderen Seite neue Arbeitsplätze in diesen Unternehmen besetzt werden müssen. Außerdem findet ein reger Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen deutschstämmigen und eingewanderten UnternehmerInnen statt, der dem gesamten Wirtschaftssystem zu Gute kommt.

Trotzdem hat die ökonomische Entwicklung der eingewanderten Deutschen noch einige Schattenseiten aufzuweisen. Die Mehrzahl der MigrantInnen arbeitet immer noch in Berufen, die keinen höheren Bildungsabschluss erfordern. Dies liegt begründet in den unterschiedlichen Bildungsniveaus von deutschstämmigen und eingewanderten Kindern. Laut der ESF-Studie (Europäischer Sozialfond für Deutschland) vom 10.01.2007 besuchen 44% der ausländischen, aber nur 19% der deutschen Jugendlichen eine Hauptschule. Weiterhin erreichen 17% (8,5% bei den Deutschen) der eingewanderten Kinder überhaupt keinen Schulabschluss. Leichte Verbesserungen gab es dagegen an den mittleren und höheren Schulen, hier stieg die Prozentzahl eingewanderter Schüler, allerdings lange nicht so stark wie bei den Deutschen. Bei diesen eben genannten Zahlen ist zu beachten, dass eingebürgerte Migranten zu den Deutschen zählen, also hier nur die Einwanderer ohne deutschen Pass gemeint sind. Allerdings besteht die Bildungsproblematik auch bei jungen Menschen (25 -35 Jahre alt) mit Migrationshintergrund, hier haben 41% keine Berufsausbildung. Bei den Deutschstämmigen sind es in dieser Altersgruppe lediglich 15%. Noch besorgniserregender ist, dass die Ausbildungsquote bei den eingewanderten Deutschen seit 1994 kontinuierlich am Sinken ist.

Diese Zahlen machen deutlich, dass im Bereich der Bildung und Ausbildung noch einiges geschehen muss, damit gerade die jüngste Migrantengeneration bessere Startchancen für das Berufsleben hat. Dies gilt nicht nur für gut bezahlte Jobs bei großen Unternehmen sondern eben auch für den Bereich der Unternehmensgründung. Neben den oft nicht ausreichenden beruflichen Qualifikationen fehlt oft auch das Wissen über staatliche Förderanträge, Steuersparmaßnahmen oder die richtige Anmeldung der Angestellten bei den sozialen Kassen und Versicherungen.

Spezielle Förderprogramm sind auf staatlicher Seiteendlich angelaufen,

so werden beispielsweise in Duisburg besonders Handwerks- und Baubetriebe unterstützt, die hier zu über 20% in „Migrantenhand“ sind. So wird Hilfe bei Förderanträgen und Behördengängen gewährt, die Vernetzung mit den deutschstämmigen Unternehmensführern intensiviert und Hilfe in finanziellen Fragen angeboten, um nur einiges zu nennen (Das Beispiel stammt aus dem Interview mit Ercan Idik, Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH, Internetauftritt).

Dies scheinen richtige Ansätze zu sein, um die ökonomische Lage der Deutschen mit Migrationshintergrund dauerhaft zu verbessern. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die deutsche Einwanderungspolitik dieses Feld der Integration viel zu lange nahezu Brach liegen ließ. Es wurde auf staatlicher Seite zu spät eingestanden, dass die BRD schon lange ein Einwanderungsland ist. So blieben die nötigen Schritte, den Einwanderern ein finanziell und gesellschaftlich anständiges Leben zu sichern, ihnen somit also eine mittel- bis langfristige Perspektive in Deutschland anzubieten, leider lange aus. Die Zeiten haben sich geändert, mittlerweile gibt es auch auf Seiten des Staates die Einsicht, dass Deutschland über einen anhaltend hohen Anteil an eingewanderten Menschen verfügen wird, somit eine Förderung und bessere Eingliederung dieser Menschen unerlässlich ist.

Ganz wichtig ist und bleibt dabei die Verbesserung der schulischen Leistungen, damit irgendwann mehr Firmen wie „Crytek“ (Softwareschmiede), oder „Öger-Tours“ (Tourismusunternehmen) Nachahmer finden und auch die gut bezahlten Jobs in der Wirtschaft, in den staatlichen Institutionen, oder in der Politik verstärkter von MigrantInnen besetzt werden. Die vielen ausländischen Restaurants, Handwerksbetriebe und Einzelhandelsläden sind zwar ein guter Anfang und auch wichtig für die städtischen Bereiche, in denen sie verankert sind. Trotzdem bleibt die schulische Förderung unerlässlich, um den kommenden Arbeitskräftemangel auszugleichen, den die immer stärker schrumpfende Mehrheitsbevölkerung der „Deutschstämmigen“ hinterlässt und den Einwanderern somit gleichzeitig eine dauerhafte Perspektive in diesem Land zu bieten.

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